UNTEN MIT, OBEN OHNE

Website für mein Diplom-Projekt mit dem Titel „UNTEN MIT, OBEN OHNE“ aus dem Jahr 2012. Es handelt sich um eine HTML5 Website die sich mittels JQuery und Curtain.js zu einer Art Bühne – mit sich wechselnden Orten – darstellt. Meine Arbeit befasst sich mit einem der Soziotope des Sexuellen: dem Swingerclub. Weitere Informationen zu dem Projekt gibt es hier.

Der Soziologe Erwing Goffman beschreibt in seinem Werk von 1959, wie stark wir unseren Alltag spielen und geht im Detail darauf ein, dass es immer „Orte“ gibt die für die Öffentlichkeit nicht bestimmt sind. Diese „Hinterbühnen“, wie er sie nennt, sind Schutz- und Übungsraum zugleich, sie dienen Handlungsabläufen die nicht für die Öffentlichkeit, ein Publikum, eben die „Vorderbühne“ gedacht sind. Diese Hinterbühnen bekommen seit der sexuellen Ausdifferenzierung im späten 18 Jh. eine weitere, bis heute wirksame Topografie, für die damals der Name Marquis de Sade steht. Eine Kontrastfolie für alles, was als abgeschlossene, interaktive Gruppen-Sexualität gilt – mit seinen Texten und Kupferstichen eine Grundlage für meine Arbeit. Mein Projekt stellt sich als investigatives, explorierendes Experiment dar. Eine der Kernfragen der Arbeit wird sein:

Wie weit kann ich in parallel existierende Soziotope des Sexuellen, wie es Swingerclubs sind, vordringen? Ein Werktagebuch wird meine Arbeit begleiten durch das „Sexotopia“, welches mit seinen mehreren Millionen Anhängern allein in Deutschland keine Randerscheinung darstellt. Im Werktagebuch werde ich unter KD-lerischen, wie auch soziologischen Aspekten das Club-Leben mit seinen Figuren reflektieren. Lässt sich ein Boudoir-Knigge niederschreiben? Welche Regeln gelten in den verschiedenen Etablisments? Wo zeichnen sich starke Übereinstimmungen ab? Es handelt sich um ein Milieu, das Phantasien beflügelt. Aus vielen Gesprächen weiß ich, wie stark das voyeuristische Interesse des Publikums ist, welches nicht in diese soziologische Institution eintaucht/eingetaucht ist.

Die theoretische Arbeit erschließt sich zum einen aus Goffman, aber auch aus der Theorie Arnold Gehlens (der Mensch als Mängelwesen), durch seine Inkompetenzkompensationskompetenz versucht der Mensch stets seinen Mangel gegenüber der Natur auszugleichen. In „Mythen des Alltags“ wiederum geht Roland Barthes auf viele alltägliche Gegenstände und Situationen ein, ich werde versuchen, den Club soziologisch unter den von mir gesammelten Eindrücken nach diesem Schema einzuordnen. In „Nicht-Orte“, geht der Anthropologe Marc Augé auf den stetigen Zuwachs von transitorischen Funktionsorten ein. Ich möchte in meiner Arbeit zeigen, dass es sich sowohl um einen ortlosen Ort, als eben auch um einen Raum mit eigener, dynamischer Identität handelt. Weiter möchte ich den Tatbestand der „Cocoonisierung“ untersuchen, welcher Teil meines medialen Resümees sein kann.

Da sich, anders als im Film oder einer anderen Vorderbühne in diesem Millieu keine Schauspieler, sondern Laien treffen ist nicht bekannt wie das fotografische Material zu erarbeiten ist, was Teil des Experiments ist und dieses erst ermöglicht. Dabei möchte ich das Hauptaugenmerk auf die Räumlichkeiten richten, schließlich möchte ich das Thema nicht entzaubern. Dem Betrachter soll die Möglichkeit gegeben werden sich sein eigenes Bild zu machen.

Es handelt sich um eine echte Feldforschung mittels Objektiv: Es wird sich erst im Verlauf der Arbeit zeigen, wie das Objekt des Swinger-Clubs und seiner Interaktion sich verhält. Die fotografischen Ergebnisse sind abhängig von dieser Interaktion. Er wird es erweisen, was, wie und wodurch gezeigt werden kann. Die Ergebnisse meiner Arbeit resultieren also aus einem Experiment, das sich in Bild und Schrift niederschlägt.

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